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18. Juni 2008

Strukturellen Unterrichtsausfall und Lehrermangel an den berufsbildenden Schulen beseitigen - für eine Qualitätsoffensive in der beruflichen

Vizepräsidentin Rink:

Zur Begründung ihres Antrags Drucksache 13/1952 erteile ich Frau
Abgeordneter Barbara Spaniol das Wort.

Abg. Spaniol (fraktionslos):

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Situation der beruflichen
Schulen ist insbesondere im Saarland in der Tat alarmierend.
Sie ist, wie es die Kollegen schon gesagt haben, gekennzeichnet
durch strukturellen Lehrermangel, verbunden mit massivem Unterrichtsausfall.
Und um es noch einmal zu verdeutlichen: Die beruflichen
Schulen müssen einen Unterrichtsausfall von wöchentlich
1.800 Stunden verkraften - vor allem bei den allgemeinbildenden
Fächern, bei den Fremdsprachen, bei Religion und Sport -, weil die
Schülerzahlen seit Jahren um 3 bis 4 Prozent ansteigen und keine
zusätzlichen Lehrerstellen geschaffen wurden. Die Zunahme der
Schülerzahlen an beruflichen Schulen ist, einschließlich des doppelten
Abiturjahrgangs im kommenden Jahr, bis 2015 prognostiziert,
und das alles vor dem Hintergrund, dass auch im Saarland
immer noch ein viel zu hoher Anteil von Jugendlichen - nämlich
mindestens 8 Prozent; wir streiten ja oft über diese Zahl - die Schule
ohne Abschluss verlässt.
Entgegen dem bundesweit anhaltenden Trend zu höherwertigen
Schulabschlüssen produziert das saarländische Schulwesen - egal
wie die Zahl jetzt aussieht - immer noch einen zu hohen Anteil von
Schülerinnen und Schülern mit Hauptschulabschluss. Doch nicht
nur auf dem Ausbildungsstellenmarkt, sondern auch auf dem Arbeitsmarkt
hält die Tendenz zu höheren Qualifikationen an, während
die Chancen für Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit
Hauptschulabschluss bereits seit Jahren geringer werden. Damit
einher geht natürlich auch ein alarmierender Mangel an Ausbildungsreife.
Jeder siebte Jugendliche, der die Schule verlässt, ist nicht oder
nur bedingt ausbildungsfähig. Auch dies ist eine alarmierende Zahl.
Um die Probleme an den saarländischen berufsbildenden Schulen
lösen zu können, braucht es ein Sofortprogramm. Es reicht nicht,
wenn wir auf einer Podiumsdiskussion hören, dass die saarländische
Landesregierung gerade einmal über zwanzig neue Lehrerstellen
nachdenkt, wenn wir über Dimensionen von 82 plus sprechen
- da ist das Seminar noch nicht dabei. Das sind die Dimensionen,
in denen wir uns befinden. Hier müssen wir dringend etwas tun.
Die Lehrkräfte an beruflichen Schulen brauchen auch Beförderungsperspektiven.
Auch darum müssen wir uns kümmern. Das Studium
für das Lehramt an beruflichen Schulen muss attraktiver werden,
damit wieder mehr Studierende dieses Fach wählen. Es ist neben
dem Studium für das Lehramt an Gymnasien immer noch ein Stiefkind.
Das spüren wir, wenn wir mit den Studierenden sprechen,
und man spürt es auch, wenn man mit den Lehrkräften an den
Schulen spricht.
Einen wichtigen Punkt möchte ich noch kurz aufgreifen, den Ausbau
der Schulsozialarbeit auch an beruflichen Schulen zur Unterstützung
der Integration benachteiligter Jugendlicher. Das soll keine
Eintagsfliege sein.
Vizepräsidentin Rink:

Frau Abgeordnete, ich darf Sie darauf hinweisen, dass Ihre Redezeit
zu Ende ist.
Abg. Spaniol (fraktionslos):

Danke, Frau Präsidentin. Ich führe meinen Gedanken noch zu Ende. -
Die sogenannte Benachteiligtenförderung muss als dauerhafte reguläre
Aufgabe im Bildungssystem verankert werden. Es gibt viel
zu tun. Lassen Sie es uns gemeinsam anpacken. Wir können bei
der beruflichen Bildung nicht länger warten. - Danke.