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Rede zur Angleichung des Benotungssystems von Gemeinschaftsschule

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Liebe Gisela Kolb! Ich finde den Antrag richtig. Die

Angleichung des Benotungssystems von Gemeinschaftsschule

und Gymnasium ist ein vernünftiger

Vorschlag, der eigentlich längst umgesetzt sein

müsste. Ihre Kritik konnte ich so nicht nachvollziehen,

nur weil der Vorschlag aus einer anderen Ecke

des Parlaments kommt. Ich finde es richtig, dass

das zum Thema gemacht worden ist. Es herrscht

Handlungsbedarf, weil sich die Schullandschaft

längst verändert hat, Schülerinnen und Schüler können

über die beiden Säulen Gemeinschaftsschule

und Gymnasium den Hauptschulabschluss, den

mittleren Bildungsabschluss oder das Abitur machen.

Die Bewertung mit dem 15-Punkte-System ab Klasse

5 hat in der Gesamtschule früher gut funktioniert

und wird heute in der Gemeinschaftsschule entsprechend

weitergeführt. Daran gibt es nichts mehr zu

interpretieren oder in irgendeiner Form in Frage zu

stellen. Es ist auch klar, wenn man sich ein bisschen

mit Noten und Bewertungen befasst und mit der

ganzen Diskussion, die sich drumherum entwickelt

hat, dass Ziffern nicht ausreichen, um Leistung im

Sinne von Motivation und Schülergerechtigkeit bewerten

zu können. Daher ist es schon der richtige

Weg, auch im Gymnasium in den ersten Klassen

mitunter von schmerzhaft eindeutigen Ziffernnoten

abzusehen, weil man im Punkte-System einen anderen

Spielraum hat und Leistung schon anders darstellen

kann.

Der am häufigsten genannte Kritikpunkt ist, dass

Noten eben nicht gerecht sind, das wissen wir alle,

das haben wir auch so erlebt. Das Punkte-System

bietet schon eine größere Transparenz und irgendwo

auch mehr Gerechtigkeit. Dabei darf man nicht

außer Acht lassen, dass es eigentlich um viel mehr

geht. Es geht nämlich darum, in den Schulen eine

Landtag des Saarlandes - 15. Wahlperiode - 23. Sitzung am 12. Februar 2014

(Abg. Kolb (SPD))

1816

bessere Lernkultur einziehen zu lassen, mit mehr

Motivation für das Lernen, um nachhaltiges Lernen

zu erzeugen und endlich von dieser unsäglichen

„Teaching to the test“-Mentalität wegzukommen, der

man sich, wenn man zurückdenkt, niemals entziehen

konnte, wie man es heute auch bei unseren Kindern

immer wieder sieht. Die Forderung nach einer

neuen Bewertungskultur ist also mehr als nachvollziehbar

und richtet den Blick stärker auf individuelle

Lernentwicklungsprozesse.

Nun darf man sich aber der Illusion nicht hingeben -

das tue ich auch nicht -, ganz auf Noten verzichten

zu können. Das wissen wir auch, dafür gibt es bei

Eltern, Schülern, Lehrern und auch bei zukünftigen

Arbeitgebern wohl noch lange keine Akzeptanz. Viele

Blogs und Interviews zeigen, dass Schülerinnen

und Schüler dringend in diese Debatte einbezogen

werden müssen und das auch absolut wollen. Die

Mischung macht es nämlich, das sagen und schreiben

eben viele, sprich Noten und alternative Formen

der Leistungsbewertung in der Schule. Dann würde

Leistungsfeststellung weniger ausgrenzen, weniger

beschämen und auch nicht zu früh festlegen, sagen

die Schüler. Ich meine, das muss man ernst nehmen,

darum geht es nämlich wirklich.

Herr Kollege Kessler, Sie haben recht, wenn Sie formulieren,

dass ein angepasstes Notensystem in Gemeinschaftsschule

und Gymnasium die Vergleichbarkeit

und die Durchlässigkeit fördert. Das wäre

nach dem Kompromiss zur Funktionsstellenstruktur

ein weiterer kleiner Schritt in Richtung Gleichwertigkeit

der beiden Säulen, dem die Große Koalition, finde

ich, heute zustimmen müsste. Wenn das Thema

Gleichwertigkeit im Betreff eines Antrages steht,

geht es aber auch um viel mehr. Es geht darum,

echte Gleichwertigkeit der beiden Schulwege auf

Augenhöhe zu erreichen. Es braucht dann einfach

mehr, um wirklich von einer Gleichwertigkeit sprechen

zu können, da braucht man sich nichts vorzumachen.

Das Thema wird uns in dieser Wahlperiode

sicherlich noch lange in der Bildungspolitik verfolgen.

Ich mag diese Debatten, das bringt immer etwas,

weil man damit Dinge auf den Punkt bringen

kann, die im Argen liegen.

Wir wissen alle, dass die Rahmenbedingungen am

Gymnasium verbessert werden müssen. Ich nenne

das Stichwort Inklusion; sie ist nämlich nicht nur Sache

der Grund- und Gemeinschaftsschulen. Die Gemeinschaftsschulen

wiederum brauchen echte Planungssicherheit

mit klaren verbindlichen Aussagen

zur Oberstufenkooperation. Das habe ich hier schon

häufiger gesagt, die Eltern wollen mit ihrer Anmeldung

an einer Gemeinschaftsschule zum Beispiel

wissen, wie und wo die Oberstufe funktioniert, nur

dann melden sie ihr Kind dort an. Auch das sind Dinge,

die zum Thema Gleichwertigkeit genannt werden

müssen. Das wäre ein weiterer Schritt, um den

Gleichwertigkeitsgrundsatz zu erfüllen.

Die grundsätzliche Richtung in dem ganzen Themenkomplex,

in die es gehen müsste, kann deshalb

nicht auf ein Punkte-System reduziert werden. Die

Entwicklung muss vielmehr in einer anderen nachhaltigeren

und auch gerechteren Feststellung von

Schülerleistungen liegen. - Vielen Dank.

(Beifall bei den Oppositionsfraktionen.)