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Rede zur Gemeinschaftsschule

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Im vorliegenden

Gesetzentwurf geht es unter anderem auch

um die Schaffung einer angemessenen Ämterstruktur

für Leitungs- und Koordinierungsaufgaben an der

neuen Gemeinschaftsschule. Wir sind noch in der

Ersten Lesung und brauchen heute keine endlose

Debatte zu führen. Dennoch möchte ich einige

Punkte ansprechen. Weil es auch um Gleichwertigkeit,

um Augenhöhe, um Gemeinschaftsschule und

Gymnasium geht, ist das schon eine Rede wert.

Eine Gleichstellung der auslaufenden Erweiterten

Realschulen und Gesamtschulen gegenüber den

Gymnasien ist längst überfällig, auch im Hinblick auf

die Funktionsstellenstruktur, um die es in diesem

Entwurf geht. Schon 2009 gab es hierzu Vorschläge

einer Arbeitsgruppe aus dem Ministerium. Es ist an

Landtag des Saarlandes - 15. Wahlperiode - 17. Sitzung am 28. August 2013

(Ministerin Bachmann)

1284

der Zeit und längst überfällig, dass hier etwas passiert,

dass das umgesetzt wird, dass zumindest erste

Schritte erfolgen, damit die neuen Gemeinschaftsschulen

wirklich als gleichwertige Säule auch

gleichwertige Strukturen, nämlich Funktionsstellen,

erhalten.

Das Ergebnis können wir in circa acht Jahren sehen,

wenn alle Funktionen, unter anderem die Koordinatoren,

an den Gemeinschaftsschulen installiert sind.

Aber selbst dann wird noch nicht das Funktionsstellenniveau

der Gymnasien erreicht sein, und das ist

eben der Knackpunkt. Diese bekommen nämlich

meines Wissens ein Volumen von derzeit um die 47

Prozent der A 14-, A 15- und A 16-Stellen im Haushalt,

und die Gemeinschaftsschulen nur circa 14

Prozent. Also auch hier sind wir von Augenhöhe und

echter Gleichwertigkeit noch weit entfernt.

Ein weiterer Punkt, den ich herausgreifen möchte,

ist die explizite Bezeichnung Didaktikleitung A 15

oder A 14 wie an den auslaufenden Gesamtschulen.

Sie taucht in Ihrem Entwurf so nicht mehr auf, Sie

können mich gerne korrigieren. Aber wir finden es

schade, weil gerade die Stelle der Didaktikleitung in

der Gemeinschaftsschule eine tragende Rolle einnimmt.

Ein nächster Punkt ist die neue Bezeichnung Koordinator

in der Schulleitung an einer Gemeinschaftsschule.

Da stellt sich die Frage, was dieser denn genau

koordiniert. Man wird sich von den Stellenausschreibungen

überraschen lassen müssen. Wir sind

auch gespannt, was Ihre Ausführungen hierzu ergeben

werden beziehungsweise was in der Anhörung

diskutiert wird.

Noch eine positive Bewertung aus unserer Sicht. Die

Anzahl von vier Schulleitungsmitgliedern bleibt bei

Schulen mit mehr als 360 Schülern erhalten, wie ich

das gesehen habe. Gerade für die kleineren auslaufenden

ERS ist die Erweiterung auf mindestens drei

Schulleitungsmitglieder ein wichtiger Schritt in die

richtige Richtung; die Ministerin hat das eben auch

angesprochen. Bezüglich der neuen Stellen - Koordinatoren

für besondere Aufgaben in A 14 und Fachkoordinatoren

in A 13 - bleibt offen, wie viele Stellen

tatsächlich im Laufe der Jahre geschaffen beziehungsweise

besetzt werden.

(Zuruf des Abgeordneten Pauluhn (SPD).)

Herr Pauluhn, ganz ruhig, ich bin wirklich gnädig mit

Ihnen. Wir sind in der Ersten Lesung und ich wollte

es eigentlich nicht ansprechen, werde es aber nun

doch tun. Es gibt schon eine eklatante Ungleichbehandlung

in der Pflichtstundenverordnung. Die Gymnasien

erhalten im Vergleich zu Gemeinschaftsschulen

ohne Oberstufe mehr als doppelt so viele

Schuldeputate. Gerade in der heterogenen Gemeinschaftsschule

werden aber zusätzliche Deputate für

Schulentwicklung, Förderkonzepte und dergleichen

dringend benötigt. Also auch hier ist eine Anpassung

an das erforderlich, was dringend gebraucht wird.

Noch ein Kritikpunkt zum Schluss. Die neuen Fachkoordinatoren

an Gemeinschaftsschulen werden mit

A 13 Z bezahlt. Das stellt nach unserer Auffassung

für Realschullehrer und vor allem Gymnasiallehrer

wenig Anreiz dar, eine Funktion dieser Art zu übernehmen.

Es ist fast zu befürchten, dass bei diesen

Stellen auch die Bewerberlage recht dünn sein wird.

Im Vergleich zu den Gymnasien ist dies ebenfalls

nicht als gleichwertig zu betrachten. Deshalb sollten

Sie auch diese Stellen mit der A 14 höher ausweisen.

Nur so kann man wirklich davon ausgehen,

dass sich Lehrer aller Lehrämter für diese Stellen interessieren

und sich genügend Lehrer bewerben,

um eine qualitative Auswahl treffen zu können.

Kolleginnen und Kollegen, alles in allem steht fest,

dass der vorliegende Entwurf ein Kompromiss ist.

Wir begrüßen, dass nach Jahren in diesen Fragen

endlich Bewegung in die Sache gekommen ist. Aber

es ist noch lange nicht das, was wir uns in Sachen

Augenhöhe mit den Gymnasien wünschen. Es sind

immerhin erste Schritte, die wir würdigen wollen.

Gerade die ehemaligen Erweiterten Realschulen

werden davon profitieren. Alles Weitere wird hoffentlich

im Rahmen der Lesung und Anhörung noch korrigiert

werden können. - Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN.)